Lesetagebuch

November 2009

Momentan lese ich zwei Romane.

Roman 1: Martin Suter, Der letzte Weynfeldt

Nach der Lektüre grandioser aber auch an den Nerven zehrender Romane (Kaltblütig von Capote und Die Brüder Karamasov von… Dostojewski) und Erzählungen (Verliebte Lügner von Yates) habe ich mal wieder zu einem Roman von Martin Suter gegriffen. Dass ich das getan habe, hatte zwei Gründe: Erstens steht Martin Suter für kurzweilige Unterhaltung und zweitens konnte ich so auf angenehme Weise meinen Quartalskauf bei der Büchergilde erledigen.
Da mich Der perfekte Freund (als Hörbuch gelesen von Sebastian Koch) geradezu begeistert und Die dunkle Seite des Mondes immerhin amüsiert hat und ich anschließend monatelang von Pilzen geredet habe, begann ich voller Optimismus meine Lektüre.
Auf den ersten hundert Seiten hielt das Buch, was ich erwartet habe. Mit viel Sprachwitz wird hier die Geschichte vom enorm vermögenden Junggesellen Adrian Weynfeldt, von Beruf „Experte für Schweizer Kunst“, erzählt, und nebenbei gelingt es Suter mal wieder, durch das Erscheinen einer gleichermaßen geheimnisvollen wie umwerfenden Frau namens Lorena zum einen Spannung aufzubauen und zum anderen das Leben des Protagonisten aus den Fugen geraten zu lassen. Und man lernt einiges über Kunst, über das Metier eines Kunstexperten, über Fälschungen und über Maßanzüge.
Das Problem: Irgendwie hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich diesen Roman schon mal gelesen habe… ja, und tatsächlich erinnert doch viel – viel zu viel – an Die dunkle Seite des Mondes, in dem ein unverschämt wohlhabender Anwalt durch die Bekanntschaft eines Hippiemädchens nach und nach vom Weg abkommt (und viele – viel zu viele – Pilze isst).

Ich lese den Roman zu Ende, weil es trotz allem erholsam ist (wie ein unterhaltsamer Film, den man schon kennt) und ich auch in der Schwebebahn nie den Faden verliere. Allerdings habe ich die Lektüre vorläufig unterbrochen. Denn es ist mir gelungen ist, in einer Wuppertaler Bibliothek endlich den Roman auszuleihen, von dem ich zuerst hundert Seiten lese, bevor ich das Exemplar dann in meiner Wuppertaler Lieblingsbuchhandlung Mackensen käuflich erwerbe. Bin ich geizig geworden? Nein, nur vorsichtig. Denn es ist ungefähr ein Jahr her, dass ich mir Gegen den Tag von Thomas Pynchon für 39,90 Euro besorgt… und dann nach 134 Seiten verzweifelt und heillos verwirrt abgebrochen habe (mir war einfach nicht klar, was mir Pynchon erzählen wollte… ja mir war nicht einmal klar, ob er mir überhaupt etwas erzählen wollte).

Nun zum zweiten Roman, den ich momentan lese:

David Foster Wallace, Unendlicher Spaß

Ich bin auf Seite 28. Bis zum letzten Satz muss ich also bloß noch 1517 Seiten lesen. Vielleicht ist es auch so, dass ich die ersten 28 Kilometer hinter mir habe und noch eine gewaltige Strecke vor mir liegt.
Das erste Kapitel heißt Jahr des Glad-Müllsacks und was das ist, ein Glad-Müllsack, weiß ich einen Tag später leider nicht mehr. Ich weiß auch nicht, ob ich es hätte wissen können. Erstaunlicherweise bin ich dennoch begeistert. Die ersten Seiten sind ein herrlicher, zum Teil grotesker Dialog zwischen Hal, der in die Tennisakademie aufgenommen werden möchte und einer ganzen Bande aus Entscheidern („Komissionsleitern“), die sich oft ins Wort fallen. Worauf es hinausläuft, weiß man nicht, und meines Wissens läuft der ganze Roman sowieso auf nichts hinaus. Der Weg ist also das Ziel. Die Sprache. Die einzelne Episode, die man in sich geschlossen genießen (und begreifen) muss. Oder ein Handlungsstrang, dem man wenigstens einige hundert Seiten folgen kann. Und vielleicht ergibt sich dann ja aus allen Episoden eine Art abstraktes Kunstwerk. (Vielleicht aber auch nicht.)
Fest steht: Inspirierend war es auf jeden Fall, und die nächsten 28 Seiten lese ich bestimmt.

Mehr dazu im Dezembereintrag.